Rückläufer: Die Debatte vom Kopf auf die Füße stellen

Quelle: Linksfraktion Berlin

In Berlin ist die Quote der sogenannten Rückläufer gestiegen. Rückläufer, dass sind die Schülerinnen und Schüler, die das Probejahr an den Gymnasien nicht schaffen und nach der siebten Klasse auf die Integrierten Sekundarschulen wechseln müssen. Nach einer bekannt gewordenen Statistik der Bildungsverwaltung waren 8 Prozent der Siebtklässler an Gymnasien davon betroffen. An vielen Sekundarschulen mussten jetzt sogar extra Rückläuferklassen gebildet werden. Hierzu ein paar Anmerkungen:

Die Gymnasien erfüllen ihren gesetzlichen Förderauftrag nicht

Wir LINKE haben bei der Aushandlung der Schulreform mit der SPD versucht das damalige Probehalbjahr abzuschaffen. Denn der Gedanke, der hinter solchen Probezeiten steht, hat nichts mit moderner Pädagogik zu tun. Im Gegenteil: Dahinter steckt die rückschrittliche Vorstellung, dass es „richtige“ Kinder für „richtige“ Schulen gibt. Wer nicht passt, wird aussortiert. Wir brauchen das Gegenteil: Wir brauchen eine Kultur der Akzeptanz. Heterogenität ist normal und jedes Kind muss individuell gefördert werden. Frontales Lernen im Gleichschritt sollte der Vergangenheit angehören. Die skandinavischen Schulen und auch die von der LINKEN initiierten Berliner Gemeinschaftsschulen zeigen, wie das gelingen kann.

Und wer es noch nicht verstanden hat: Die UN-Behindertenrechtskonvention verpflichtet uns zur Inklusion. Und Inklusion ist weitaus mehr als „nur“ das gemeinsame Lernen von Menschen mit und ohne Behindeurngen. Es umfasst die eben beschrieben Pflicht zum Umgang mit Heterogenität insgesamt. Leider hat sich die SPD bei diesem Punkt komplett quergestellt. Lediglich der Zeitraum wurde von einem Schulhalbjahr auf ein ganzes Schuljahr verlängert. Im Gegenzug wurde im Schulgesetz eine Förderpflicht verankert, wenn ein Schüler zum Halbjahr gefährdet sein sollte. Offensichtlich kommen die Gymnasien dieser Förderpflicht nicht nach. Andernfalls wäre die Quote nicht angestiegen. Das zeigt, dass an den meisten Gymnasien immer noch das alte Denken vorherrscht und man sich schnell unliebsamer Schüler entledigen möchte. Schade.

Das Probejahr ist ein Systemfehler

Das Probejahr ist ein Systemfehler im novellierten Berliner Schulgesetz. Denn mit der Einführung der Gemeinschaftsschulen und der Sekundarschulen gibt es in Berlin KEINE weiterführende Schule mehr, die NICHT zum Abitur führt. Und in Berlin gibt es wegen der zentralen Prüfungen auch kein Abitur erster und zweiter Klasse mehr. Schon deswegen ist es völlig systemfremd noch eine Regelung zu haben, die wegen der Abschulung suggeriert, es gebe noch statustechnisch „bessere“ und „schlechtere“ Schulen. Natürlich gibt es unterschiedlich gute Schulen. Aber das macht sich eben nicht mehr daran fest, welchen Abschluss eine Schule anbietet. Deswegen ist es nur konsequent diesen Fremdkörper aus dem Schulgesetz zu tilgen. Stattdessen wäre es sinnvoll die Gymnasien zu ertüchtigen, besser als bisher mit Heterogenität umzugehen. Dazu könnte man Fortbildungsprogramme auflegen oder Patenschaften mit in dieser Hinsicht erfahrenen Gemeinschaftts- und Sekundarschulen ins Leben rufen. Die Konzepte dafür wurden im Rahmen der „Pilotphase Gemeinschaftsschule“ entwickelt und wissenschaftlich begleitet. Was jetzt noch fehlt ist der politische Wille.

 

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