Presseschau: Wo in Berlin das Geld wohnt

Huch, wieder eine halbe Million mehr auf dem Konto? Wenn Ihnen mindestens einmal jährlich so ein Satz entfährt, zählen Sie zu einem sehr erlauchten Kreis – den besonders wohlhabenden Menschen. Davon gibt es einige in Berlin. Allerdings nicht überall in der Stadt.

Ein wichtiges Detail gleich vorweg: Trotz anderslautender Presseberichte ist es kein „Millionärsatlas“, den die Senatsverwaltung für Finanzen nun auf Nachfrage der zwei Linkenabgeordneten Sebastian Schlüsselburg und Steffen Zillich vorgelegt hat. Vielmehr geht es um die Anzahl der Menschen mit „besonderen Einkünften“: Also alles ab 500.000 Euro im Jahr, verdient durch Gehalt, Kapitalvermögen, Vermietung oder sonstige Einkünfte. Und zwar konstant über die vergangenen drei Jahre hinweg.

Das aber reicht vermutlich immer noch für interessante Nachbarschaftsgespräche am Gartenzaun. Deswegen hat sich rbb|24 die Zahlen einmal genauer angeschaut.

Finanzamt 01.01.2016
Summe 489
Zehlendorf 114
Wilmersdorf 80
Charlottenburg 63
Mitte/Tiergarten 59
Steglitz 30
Prenzlauer Berg 23
Reinickendorf 21
Körperschaften IV 17
Friedrichshain-Kreuzberg 11
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Da die Aufschlüsselung Rückschlüsse auf den einzelnen Steuerfall zulassen könnte und dies gegen das Steuergeheimnis verstößt (§ 30 Abgabenordnung) sind in nachstehender Tabelle keine Fallzahlen kleiner als 5 konkret ausgewiesen.
Die Finanzämter für Körperschaften I – IV betreuen keine Einzelpersonen sondern Unternehmen und Organisationen.

Das Geld wohnt im Westen

Insgesamt leben laut Finanzverwaltung 489 sehr Wohlhabende in Berlin. Die meisten von ihnen, 114, haben sich – keine Überraschung –  in Zehlendorf niedergelassen. Und sie müssen nicht weit fahren, um ähnlich betuchte Menschen zu treffen: In Wilmersdorf leben 80 besonders reiche Berlinerinnen und Berliner, in Charlottenburg 63. Mitte folgt erst auf Platz 4 mit 59 Reichen.

Offenbar ziemlich unbeliebt als Heimstätte für Vielverdiener sind hingegen der Wedding, Marzahn-Hellersdorf und Pankow/Weißensee. Hier leben so wenige von ihnen, dass die Finanzverwaltung keine genaue Zahl herausgibt. Dies könnte „Rückschlüsse auf den einzelnen Steuerfall zulassen“.

67 Steuerprüfungen – und Wilmersdorf freut sich

Spannender als die reine Neid-Debatte aber dürfte die nach der Steuergerechtigkeit sein. Nach etlichen Skandalen in den vergangenen Jahren (Luxleaks, Panama Papers und Paradise Papers) möchten viele Bürger inzwischen genau wissen, ob die Reichen auch angemessen zur Kasse gebeten werden und ihre Steuern zahlen.

Und auch da geben die Zahlen der Finanzverwaltung ein paar interessante Einblicke.

So hat es bei Berlins Wohlhabenden 2017 insgeamt 67 Steuerprüfungen gegeben. Ganze vorne liegt… nicht Zehlendorf, auch nicht Wilmersdorf, sondern Prenzlauer Berg.

25 der überprüften Personen erlebten ein Dejavu, sie wurden nämlich schon in den Jahren zuvor mindestens ein Mal vom Finanzamt besucht. „Dabei wurden Mehrsteuern in Höhe von 3,1 Millionen Euro festgestellt“, teilt die Finanzverwaltung mit. Auch 2017 hat es sich gelohnt, nochmal nachzuschauen. In Charlottenburg trieben die Steuerbeamten nachträglich noch einmal 280.000 Euro ein, in Zehlendorf 1,4 Millionen Euro und in Prenzlauer Berg – dem Bezirk mit den meisten Nachkontrollen – sogar 3,5 Millionen Euro.

In Wilmersdorf sitzen hingegen nicht nur viele reiche Mitbürger, sondern auch sehr gute Steuerberater: Hier musste die Finanzverwaltung Geld zurückzahlen, genau 271.239 Euro.

Zahl der Steuerprüfungen sagt nichts über eingetriebene Summe

Insgesamt aber lohnt es sich offenbar, Steuernachprüfungen bei den Top-Verdienern der Stadt durchzuführen: Im Schnitt wurden dabei pro Fall 82.000 Euro nachträglich eingetrieben, so die Finanzverwaltung. Für das Geld bekommt man in Berlin zurzeit einen Porsche Cayenne – allerdings nur gebraucht.

Insgesamt ist die Zahl der Stadtbewohner, die laut Finanzverwaltung als besonders vermögend gelten, übrigens zurückgegangen: Waren es 2004 noch 602, sind es inzwischen über 100 weniger. Die Zahl der Steuerprüfungen ist ebenfalls leicht zurückgegangen: 2006 waren es noch 72. Allerdings wurden damals trotzdem „nur“ 5,6 Millionen Euro nachtäglich eingetrieben. Im Jahr 2013 holte sich der Berliner Fiskus fast 9,3 Millionen Euro von den Reichen der Stadt zurück, bei lediglich 37 Prüfungen.

Quelle: https://www.rbb24.de/wirtschaft/beitrag/2018/02/wo-in-berlin-das-geld-wohnt.html