Presseschau: Paketklau. Die dreisten Tricks der Internet-Betrüger

von Andreas Kopietz

Paketklau. Die dreisten Tricks der Internet-Betrüger

Die Betrugsmaschen variieren: Mancher Täter montiert in einem anonymen Elfgeschosser einen zusätzlichen Briefkasten, der einen falschen Namen trägt. Pakete an diese Scheinadresse geben Zusteller beim Nachbarn ab. Bei diesem holt sich der Betrüger dann das Paket ab. Andere Kriminelle warten direkt vor dem Haus auf den Paketboten, der ihnen die unter falschem Namen bestellte Ware bringt, die aber nie bezahlt wird.

Waren- und Warenkreditbetrug haben Hochkonjunktur. Die Taten, die übers Internet begangen wurden, haben in den vergangenen Jahren stark zugenommen: von 9259 Fällen im Jahr 2012 auf mittlerweile 17.708 im vergangenen Jahr. Das geht aus einer noch unveröffentlichten Antwort der Senatsinnenverwaltung auf eine gemeinsame Anfrage der Linken, der SPD und der Grünen hervor.

Betrügerische Erlangung von Waren ohne Bezahlung

Beim Warenbetrug wird versprochen, eine Ware zu liefern, was jedoch nicht passiert. So betreiben Betrüger zum Beispiel sogenannte Fake-Shop-Seiten im Internet. Sie preisen etwa besonders billige Handys an, was kritische Konsumenten bereits misstrauisch machen sollte. Doch viele fallen drauf herein und überweisen Geld für die vermeintlichen Schnäppchen, die nie geliefert werden. Gier macht blind, sagen Ermittler.

Der Warenkreditbetrug – auch Bestellschwindel genannt – zielt hingegen auf die betrügerische Erlangung von Waren ohne Bezahlung. In der analogen Welt zählt zum Beispiel der Tankbetrug dazu. Allerdings werden laut Kriminalstatistik bereits 62,7 Prozent aller Fälle des Waren- und Warenkreditbetrugs über das Internet begangen. Das ist eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr um zehn Prozent.

Keine Hoffnung auf mehr Personal

Wie nun die Innenverwaltung in ihrer Antwort auf die parlamentarische Anfrage schreibt, macht Waren- und Warenkreditbetrug auch einen immer größeren Anteil an der Internetkriminalität generell aus: bei 65,9 Prozent lag ihr Anteil im vergangenen Jahr. Fünf Jahre zuvor waren es noch bei 44,2 Prozent. An zweiter Stelle kommen Leistungs- und Leistungskreditbetrug (3320 Fälle) und an dritter „Betrug mittels rechtswidrig erlangter Daten von Zahlungskarten“ (1147 Fälle), wenn etwa die Geheimnummer gehackt wurde.

Trotz der starken Zunahme von Warenbetrug und Bestellschwindel können sich die Betrugsermittler im Landeskriminalamt keine Hoffnung auf personelle Verstärkung machen. Im Rahmen des aktuellen Doppelhaushaltes gab es laut Innenstaatssekretär Torsten Akmann (SPD) „keine explizite Stellenzuweisung für den Betrugsbereich beim LKA“.

Wer sich auf Angebote einlässt, wird Mittäter

Nicht nur Klein-Ganoven, auch internationale Banden haben sich auf Bestellschwindel spezialisiert. Diese benutzen nicht nur Scheinadressen sondern oft auch ganz reale – ahnungslose – Menschen: Per Annonce bieten sie vermeintlich lukrative Jobs als „Paketagent“ oder „Versandmitarbeiter“ an. Sie locken mit Geld und leichter Heimarbeit. Die Banden nutzen Menschen aus, die arbeitslos sind und ihre Privatanschrift als Lieferadresse zur Verfügung stellen. Paketagenten sollen Lieferungen von Online-Händlern annehmen, die auf ihren Namen unter ergaunerten Kreditkartendaten bestellt wurden.

Sie sollen die Ware neu verpacken und weiter senden. Dadurch verringern die Betrüger, die meist im Ausland sitzen, ihr Risiko, entlarvt zu werden. Wer sich auf solche Angebote einlässt, wird zum Mittäter, warnt die Polizei. Zudem bekommen diese Gutgläubigen statt der Provision Mahnbescheide, weil Versandhändler ihre Forderungen an die Empfänger stellen.

Thema im Rechtsausschuss

So etwas kann auch gutmeinenden Nachbarn passieren, die vom Postboten Pakete für Unbekannte annehmen. Denn im Zweifelsfall muss der Ersatzempfänger die Ware bezahlen, weil er der letzte bekannte Empfänger des Pakets ist.

Die rechtspolitischen Sprecher der Koalition, Sven Kohlmeier (SPD), Sebastian Schlüsselburg (Linke) und Benedikt Lux (Grüne) bezeichnen den starken Anstieg des Warenbetrugs im Internet als besorgniserregend. Sie wollen ihn zum Thema im Rechtsausschuss machen und mit der Staatsanwaltschaft und dem LKA beraten, wie diesem Trend entgegengewirkt werden könne. „Warenbetrug kann jedermann betreffen“, erklärten sie am Dienstag. Die Verbraucher müssten geschützt werden.

Quelle: https://www.berliner-zeitung.de/berlin/polizei/paketklau-die-dreisten-tricks-der-internet-betrueger-30610582