Presseschau: Nachverdichtung- Bezirk lehnt Howoge-Bauprojekt ab

Das Bezirksamt Lichtenberg sieht die Qualität der Blockinnenbereiche gefährdet. Die Howoge legt Widerspruch gegen die Ablehnung ein.

01.11.2021, 17:55 | Jan-Henrik Hnida

Nachverdichtung

Dass die Hauptstadt dringend mehr bezahlbare Wohnungen braucht, würde wohl jeder Berliner und jede Berlinerin sofort unterschreiben. Aber immer dann, wenn Grün dafür weichen muss, sind Konflikte programmiert, so wie in Friedrichshain. 

Drei Klimaaktivisten besetzten in der Nacht zu Montag zwei Bäume an der Pintschstraße Ecke Kochhannstraße im Friedrichshainer Nordkiez, um sie vor der Fällung zu bewahren. Seitdem harren sie in Wärmedecken gehüllt in den Ästen aus. Rund 35 Unterstützer begleiteten den Protest. 

Auch Polizei und Wachschutz waren vor Ort. Der Bereich an der Pintschstraße wurde abgesperrt und parkende Autos abgeschleppt. Im Auftrag der Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte (WBM) begannen trotz der Besetzung erste Fällarbeiten an den 13 Bäumen. Ein Mitarbeiter auf einem Hubkran entfernte mit einer Kettensäge Äste, wie in einem Video zu sehen ist. 

Wann die Stämme der meterhohen Pappeln gefällt werden, ist zurzeit noch unklar. Da die besetzten Bäume am Montag noch nicht angefasst wurden, waren auch kein Einschreiten der Polizei erforderlich. „Die Arbeiten wurden nicht gestört“, sagte eine Sprecherin am Montag. Die Besetzer könnten zunächst in den Bäumen bleiben. 

Anwohner setzen sich seit Jahren für den Erhalt der etwa 80 Jahre alten Baumriesen ein. Bereits im November hatten sie einen ersten Fällversuch verhindert. Doch nun rückten die Arbeiter erneut an. Es ist geplant, die Innenhöfe der Wohnanlagen mit Neubauten zu verdichten. Dort sollen auf dem 480 Quadratmeter großen Areal 29 landeseigene Wohnungen entstehen, die Hälfte davon barrierefrei und mietpreisgebunden. 

Klimaschützer kritisieren Flächenversiegelung 

Umweltschützer und Anwohner wollen verhindern, dass weitere innenstädtische Flächen versiegelt werden. „Wir verlangen den Bau von Wohnungen auf bereits versiegelten Flächen. In Luxusneubauten mit Eigentumswohnungen stehen viele potenzielle Wohnungen leer, weil sich Berliner und Berlinerinnen die utopischen Mieten nicht leisten können“, hieß es in einer Mitteilung der Klimaaktivisten. 

„Gerade in einer Großstadt wie Berlin zählt es, jeden einzelnen Baum zu erhalten. (…) Diese Erholungsgebiete, Lebensräume und CO2 Speicher können nicht eben mal so durch Ersatzpflanzungen ausgeglichen werden“, hieß es dort weiter. 

Lichtenrade: Forstbetrieb fällt Bäume am Kirchhainer Damm 

Der Schutz der Bäume liegt auch andernorts vielen Berlinerinnen und Berliner am Herzen. Als es vor einigen Wochen im Wäldchen am Kirchhainer Damm in Lichtenrade zu Fällarbeiten kam, reagierten viele Anwohnende empört. Auf Nachfrage erklärten die Berliner Forsten nun, dass es sich dabei um wichtige Verkehrssicherungsmaßnahmen handelte. Entlang der Waldwege wurden tote oder nicht mehr tragfähige Äste sowie nicht mehr standsichere Bäume entfernt. Gefällt wurden Bäume im dreistelligen Bereich.

Quelle: https://www.morgenpost.de/bezirke/lichtenberg/article233729749/Nachverdichtung-Bezirk-lehnt-Howoge-Bauprojekt-ab.html