Presseschau: Linke-Abgeordneter fordert schnellen Ausbau des ÖPNV-Angebots

von Berit Müller

Wie pünktlich sind die öffentlichen Verkehrsmittel in Lichtenberg? Wo planen die Berliner Verkehrsbetriebe dichtere Takte auf Bus- oder Bahnlinien? Das wollte der Abgeordnete Sebastian Schlüsselburg (Die Linke) von der Senatsverkehrsverwaltung wissen. Die Antworten zeigen, dass der ÖPNV nicht so schlecht aufgestellt ist. Handlungsbedarf gibt es trotzdem.

Mit einer Anfrage an die Senatsverkehrsverwaltung hat sich der Lichtenberger Abgeordnete Sebastian Schlüsselburg konkrete Zahlen zur Zuverlässigkeit von S- und U-Bahnen, Trams und Bussen im Bezirk beschafft. Außerdem erkundigte er sich bei der Behörde und den Verkehrsbetrieben, ob und wo dichtere Takte zur Steigerung der Leistungsfähigkeit und Attraktivität des ÖPNV geplant sind.

In Sachen Pünktlichkeit offenbart die Antwort der Verwaltung ein anderes Bild, als manch Nutzer der öffentlichen Verkehrsmittel glauben mag: In aller Regel fahren die Busse und Bahnen planmäßig.
„Die Wahrnehmung der Menschen kann sich verständlicherweise von den aufgeführten Zahlen unterscheiden“, räumt Schlüsselburg ein. „In den Hauptverkehrszeiten kommt es häufiger zu Störungen, zudem sind die Fahrzeuge dann deutlich voller.“ Verbesserungen seien also zweifelsohne erforderlich.

Ab 210 Sekunden als Verspätung gezählt

Was auch zu berücksichtigen ist: Die Berliner Verkehrsbetriebe halten nicht die Verspätungsminuten einzelner Busse und Bahnen fest – sie unterscheiden nur pünktliche und unpünktliche Abfahrten, wie Sebastian Schlüsselburg erläutert. „Eine Abfahrt wird als pünktlich definiert, wenn sie maximal 90 Sekunden verfrüht oder 210 Sekunden verspätet an einer Haltestelle startet.“ Für die Antwort der Senatsverwaltung sei also ein durchschnittlicher Wert, bezogen auf die rechtzeitige Abfahrt der einzelnen Verkehrsmittel im Jahr 2019, ermittelt worden.

Eine weitere Erkenntnis des 36-seitigen Antwortpapiers aus der Abteilung von Staatssekretär Ingmar Streese: Das zuverlässigste Verkehrsmittel in Lichtenberg ist die U-Bahnlinie 5, die zwischen dem Alexanderplatz und Hönow verkehrt. 99,1 Prozent aller Abfahrten an den Lichtenberger Stationen waren im vergangenen Jahr pünktlich. Danach folgen die Busse.

14 Linien verkehren im Bezirk, darunter die teils sehr stark frequentierten Nummern 192, 194, 240 und 256. Alle zusammen waren im Schnitt zu 89,5 Prozent pünktlich. Die Nase vorn hatte der 192er mit 95,5 Prozent, am häufigsten verspätete sich der 240er (zu 82,3 Prozent im Zeitplan). Taktverdichtungen plant die BVG aktuell auf keiner der Linien, auch von der vielfach geforderten Anbindung des Neubauviertels Lindenhof ist im Antwortpapier keine Rede.

Straßenbahn am unzuverlässigsten

Das unzuverlässigste Verkehrsmittel in Lichtenberg war 2019 die Straßenbahn, im Schnitt waren nur 86 Prozent aller Abfahrten pünktlich. Im Bezirk verkehren die Tram-Linien M4, M5, M6, M8, M13, M17, 16, 21, 27 und 37. Allerdings gab es auf den Strecken der M17, 27 und 37 im vorigen Jahr umfangreiche Bauarbeiten, die oft zu den Verspätungen führten. Die pünktlichsten Linien waren mit je 94,7 Prozent gleich zwei: die 16 und die M4. Am häufigsten warteten Passagiere der 21, die nur in 77,8 Prozent aller Fälle dem Fahrplan entsprechend abfuhr. 

Im Bereich der Tram plant die BVG nun tatsächlich einen Ausbau. So ist eine Verlängerung der Linie 18 von Springpfuhl über die Landsberger Allee zum Alexanderplatz angedacht – in der Hauptverkehrszeit könnten die Bahnen im Zehn-Minuten-Takt verkehren. Ferner sind dichtere Takte sonnabends auf der Linie 16 sowie sonntags bei der M4 und M10 in Aussicht.

Anders als die BVG ermittelt die S-Bahn Berlin ihren Pünktlichkeitsgrad so: Wenn Züge gemessen an der Gesamtmenge der Stationen nicht mehr als 239 Sekunden Verspätung haben, sind sie im Plan. Von den in Lichtenberg verkehrenden Linien 3, 41, 42, 5, 7, 75, 8 und 85 war im vorigen Jahr die S75 mit einem Schnitt von 97,8 Prozent Klassenbeste. Platz zwei belegte mit 93,5 Prozent die S85.

Investitionen in die ökologische Verkehrswende

Insgesamt kein so schlechtes Bild – Sebastian Schlüsselburg fordert dennoch schnelle Investitionen. „Wenn wir die ökologische Verkehrswende schaffen wollen, müssen wir in den nächsten zehn Jahren den ÖPNV ausbauen.“ Kurzfristig müsse es nicht nur Taktverdichtungen, sondern auch neue Bus- und Tramlinien geben. Und es gelte, Wohngebiete wie den Lindenhof oder die Parkstadt Karlshorst rasch anzubinden. „Beim Ausbau der S- und U-Bahn darf der Osten Berlins gerade entlang der Wachstumskorridore nicht abgehängt werden“, so Schlüsselburg.

„In Lichtenberg und Marzahn-Hellersdorf werden nach der aktuellen Bevölkerungsprognose im Jahr 2030 circa 590 000 Menschen leben – das sind 35 000 mehr als 2018.“ Schlüsselburg möchte, dass eine U-Bahnlinie 11 entlang der Landsberger Allee ebenso geprüft werde, wie die Möglichkeit eines zweiten, äußeren S-Bahnrings von Wartenberg über Springpfuhl, entlang der Tangentialverbindung Ost (TVO).

Quelle: https://www.berliner-woche.de/lichtenberg/c-verkehr/linke-abgeordneter-fordert-schnellen-ausbau-des-oepnv-angebots_a273772