Presseschau: Geschäft mit der Sucht: Spielhallen im Bezirk

von Masha Slawinksi

Der hinter dem S-Bahnhof Lichtenberg gelegene Teil der Siegfriedstraße ist, je nach Auslegung, eine Spaßmeile. Zumindest für Späti-Gänger*innen, die nach dem dritten Bier gerne einen Döner essen und ihr Geld am liebsten münzenweise in Automatenschlitze stecken. Früher gab es dort Bekleidungsgeschäfte und einen Bäcker. Diese konnten sich betriebswirtschaftlich nicht halten.

Die Siegfriedstraße gehört zum Stadtumbauprojekt Frankfurter Allee Nord. Das Projekt zielt darauf ab die Gegend, die im gesamtbezirklichen Vergleich einen schwachen sozialen Index hat, aufzuwerten. Spielhallen, wie es sie zum Beispiel in der die Siegfriedstraße kreuzenden Herzbergstraße gibt, bewirken eher das Gegenteil.

In der Herzberg- und Siegfriedstraße ballen sich Spätis, Kneipen mit Spielautomaten und produzierendes Gewerbe. “Es gibt eine gewisse Kopplung zwischen Spielsucht und der sozialen Lage”, sagt Sebastian Schlüsselburg, Abgeordneter der Linken. Er hat sich mit einer Anfrage zu Spielhallen in Lichtenberg an den Senat gewendet.

Das Resumé: Acht Spielhallen gibt es in Lichtenberg, alle über 500 Meter von Spielbanken und Vermittlungsstellen für Sportwetten entfernt. Diesen Abstand von 500 Metern legt das Spielhallengesetz fest. Es soll dem Suchtverhalten Betroffener entgegenwirken, gilt aber nicht für Spielautomaten in gastronomischen Einrichtungen.

Das Suchtverhalten von Menschen präventiv lenken zu wollen ist kein Novum. 2006 hat der Senat Leitlinien für Suchtprävention aufgestellt. Sie folgen der Drogenstrategie der Europäischen Union und des von Bund und Ländern getragenen Aktionsplans Drogen und Sucht. In Deutschland gilt die Berufsausübungsfreiheit, das bedeutet, dass man grundlegend niemandem verbieten kann eine Spielhalle zu betreiben.

„Spielhallenbetreibende machen die Sucht der Menschen zum Geschäft. Das Geld der spielsüchtigen Menschen wandert in die Taschen der Automatenhersteller”, sagt Schlüsselburg. Ein*e Spielsüchtige*r ist ähnlich wie ein*e Alkoholsüchtige*r von allen Seiten mit seiner Sucht konfrontiert. Glücksspiele sind leicht zugänglich, oft stehen Spielautomaten auch in Gaststätten. Und nicht zu vergessen: viel Glücksspiel findet mittlerweile auch online statt.

Neben der Suchtproblematik beeinträchtigen Spielhallen die Entwicklung des Bezirks: “Wenn ein Spielhallen Betreibender in einen Gewerberaum geht, bleibt er in der Regel drinnen und blockiert eine anderweitige kiezverträgliche Nutzung”, sagt Schlüsselburg. Außerdem könnten Spielhallen für Geldwäsche missbraucht werden. Besonders, wenn es mehrere von ihnen gibt, könnte es eventuell nicht mit rechten Dingen zugehen. 

Mit der Anfrage sollen Daten erfasst werden, auf deren Grundlage die Bezirksverordnetenversammlung Problemfelder erkennen kann. Aus der Beantwortung geht hervor, dass eine GmbH gleich drei Spielhallen betreibt. Eine in Lichtenberg, zwei in Hohenschönhausen. Insgesamt sei die Lage der Spielhallen in Lichtenberg aber nicht allzu problematisch.

Quelle: https://leute.tagesspiegel.de/lichtenberg/macher/2020/07/27/132631/geschaeft-mit-der-sucht-spielhallen-im-bezirk/