Presseschau: Die ewige Sanierung eines Berliner Fußgänger-Tunnels

Seit mehr als zehn Jahren wird die Sanierung des Tunnels unter der Landsberger Allee geplant. Nun soll er fertig werden – aber erst 2022 bis 2024. 

von JÖRN HASSELMANN

Im Jahr 2015 entdeckte der Tagesspiegel: „Das Grauen beginnt im Untergrund“ – und zwar im Fußgängertunnel am S-Bahnhof Landsberger Allee. Aber es gab einen Lichtblick: „Das finstere Loch“ solle im Jahr 2017 erhellt und saniert werden, hieß es damals in dem Artikel.

Aber das Grauen ist auch im August 2021 noch da: Uralte braune Fliesen sind ebenso beschmiert wie ein offenbar vor Jahren in den Untergrund gestellter hölzerner Bauzaun. Dämmeriges, oranges Glühlampenlicht über allem, Tausende Menschen hasten hier täglich durch. Die Ringbahnstation ist ebenso stark frequentiert wie die drei Metro-Straßenbahnen an der Landsberger Allee. Hier steigen sehr viele Menschen um. Über dem Bauzaun ist die Decke offen, eine an die Nachkriegszeit erinnernde Provisorium aus Stahlträgern und Wellblechplatten liegt frei.

Die eigentliche Überraschung lauert hinter dem Bauzaun: Ein offenbar fertiger gläserner Aufzug. Wird alles gut? Auf Anfrage teilt die BVG mit, dass der Aufzug zur Straßenbahnhaltestelle „voraussichtlich in KW39 von der BVG abgenommen“ werden soll. KW 39 ist die letzte Septemberwoche. Doch Abnahme ist nicht Eröffnung, „da direkt im Anschluss (der Abnahme, Anm. der Red.) die Sanierung des Fußgängertunnels startet und dieser dadurch gesperrt ist, wird der Aufzug nicht direkt in Betrieb genommen“, teilte ein BVG-Sprecher mit. 

Wieso wurde der Tunnel nicht parallel zum Aufzugbau saniert? „Aufzug und Tunnel konnten nicht harmonisiert werden, da wir beim Tunnel stark abhängig von den Sperrzeiten der Bahn sind und der gegebene Arbeitsplatz nicht ausreicht, um beide Arbeiten parallel durchzuführen“, sagte ein BVG-Sprecher.

Nach dem Tunnel wird noch die Vorhalle des S-Bahnhofs saniert

Grundsätzlich liege es an der „sehr komplexen Abstimmung zwischen den vielen Beteiligten“, teilte die BVG mit. Im Jahr 2016 hatte die BVG fast wortgleich geantwortet und die Verzögerungen erklärt mit „komplexen Abstimmungen mit einer Vielzahl von Behörden und Verwaltungen, die ungeplant aufgetreten sind“.

Nach also vieljährigen Abstimmungen ist die BVG derzeit „in der Vergabephase für die Sanierung des Fußgängertunnels“. Dann folgen Auftrag und Abstimmungen mit der beauftragten Firma. „Wir rechnen mit einer Fertigstellung gegen Ende 2022.“ Ein Einzelfall ist das nicht, an vielen Stellen gibt es jahrelange Verzögerungen.

Bis dahin kommen die Fahrgäste an der Landsberger Allee vom Grauen in die Traufe: Während der Tunnelsperrung muss die stark befahrene Allee wieder an provisorischen Fußgängerampeln überquert werden, so wie schon monatelang während des Aufzugsbaus.

In einer Antwort der Verkehrsverwaltung auf eine Anfrage des Abgeordneten Sebastian Schlüsselburg (Linke) von 2020 wird übrigens das Jahr 2024 für die geplante Fertigstellung benannt. Denn nach dem Tunnel soll noch die Vorhalle des S-Bahnhofs saniert werden und ein weiterer Aufzug von der Halle zum S-Bahnsteig gebaut werden.

Wie der Senat dem Abgeordneten weiter antwortete, habe die Planung im Jahr 2010 begonnen. Die Fußgängerampel sei im Jahr 2012 beantragt worden, 2014 seien die Straßenbahn-Haltestellen saniert worden. Dann passierte fünf Jahre nichts mehr, außer dass die Planungen geändert wurden. 2010 sollte das Projekt „ca. 3,7 Mio. EUR“ kosten. Eine aktuelle Zahl nannten BVG und Verkehrsverwaltung nicht.

Quelle: https://www.tagesspiegel.de/berlin/das-grauen-bleibt-die-ewige-sanierung-eines-berliner-fussgaenger-tunnels/27479694.html