Presseschau: Die Autobahn als Einbahnstraße – So soll das Chaos an der Elsenbrücke entzerrt werden

von Peter Neumann

Schon jetzt ist die Elsenbrücke zwischen Treptow und Friedrichshain eine Staustelle erster Güte. Wegen eines Risses im Beton ist sie zur Hälfte gesperrt, und Autos müssen lange anstehen, bevor sie diese Spreequerung endlich passieren können.

In naher Zukunft wird sich die Situation in diesem Teil der östlichen Innenstadt weiter verschärfen. Denn wenn die Verlängerung der Autobahn A100 fertig gebaut ist, wird der Stadtring kurz vor der Elsenbrücke in Treptow enden – und auf deren halbierte Fahrbahn werden noch mehr Autos drängen.

„Das wird zu einem Chaos führen“, warnt der Linken-Abgeordnete Sebastian Schlüsselburg. Er fordert einen harten Schnitt: Die neue Autobahn nach Treptow soll so lange ganz oder teilweise brach liegen, bis die benachbarte Elsenbrücke neu gebaut worden ist – bis 2028.

Vielleicht würde es auch ausreichen, die neue Autobahn erst einmal als Einbahnstraße zu verwenden

Es ist eine radikale Idee. Eine fertige Autobahn ungenutzt lassen und erst viel später eröffnen? Nach jetzigem Stand soll die Verlängerung der A100 von Neukölln nach Treptow, die gerade im Bau ist, Ende 2022 oder Anfang 2023 fertig werden. Das Konzept der Linken würde bedeuten, dass die sechsspurige Autotrasse, deren Kosten bisher auf 473 Millionen Euro veranschlagt worden sind, rund sechs Jahre lang brach läge.

Zumindest zum Teil. Vielleicht würde es auch ausreichen, die neue Autobahn erst einmal als Einbahnstraße zu verwenden, so Schlüsselburg. „Entweder nur für Autos, die auf die A100 fahren oder nur für Autos, die sie in Treptow in Richtung Elsenbrücke verlassen wollen. Je nachdem, was das Beste wäre,“ sagte der Lichtenberger Abgeordnete. „Das müsste der Senat jetzt prüfen.“

Am Donnerstag überbrachte Katalin Gennburg die Forderung Senatorin Regine Günther (parteilos, für Linke) im Verkehrsausschuss. „Bevor der Neubau der Elsenbrücke nicht fertig ist, kann eine Inbetriebnahme der Autobahn nicht erfolgen“, so die Linken-Politikerin.

Immer mehr Autos drängen heran

Die Verkehrssenatorin stimmte ihr in einem zentralen Punkt zu. „Weil die Elsenbrücke nur zur Hälfte zur Verfügung steht, müssen wir ein neues Verkehrskonzept für diesen Bereich auflegen“, sagte Günther. „So, wie es derzeit angedacht ist, wird es nicht funktionieren.“ Die ersten Überlegungen sehen nicht vor, die Autobahn nicht zu eröffnen. „Denkbar sind verkehrsdosierende Maßnahmen etwa mit Ampeln“, so ihr Sprecher Jan Thomsen.

Auf die Planer kommt eine schwierige Aufgabe zu. Zuletzt hieß es, dass nach der Eröffnung der Autobahn nach Treptow täglich 80.000 Kraftfahrzeuge auf die Brücke drängen werden. Zuletzt waren es pro Tag 55.000 Fahrzeuge – aber da war sie auch noch nicht halbseitig gesperrt.

Zwischen der neuen Autobahn und der Brücke gibt es noch eine andere Wechselwirkung – ebenfalls mit enormen Auswirkungen. Der Senat bestätigte am Donnerstag, dass er die Elsenbrücke an derselben Stelle neu bauen will. Das hieße, dass sie einer Weiterführung der A100 nach Friedrichshain auch künftig im Wege stünde. Würde die Autobahn über die Spree hinweg verlängert, müsste die östliche Hälfte der dann erst wenige Jahre alten Elsenbrücke wieder abgerissen werden – was Ärger mit dem Rechnungshof geben würde.

Weiterbau der A100 blockiert

Der Bund fordert den Weiterbau der Autobahn. Rot-Rot-Grün ist gegen das 531-Millionen-Euro-Projekt, auch deshalb, weil das dicht bebaute Friedrichshain jahrelang zu einer Großbaustelle würde. Darum argwöhnt die Opposition, dass der Senat eine Strategie verfolgt: Der Neubau der Elsenbrücke soll die Autobahn endgültig blockieren. „Mir scheint, dass man politisch auch auf dieser Ebene den Weiterbau der A100 behindern möchte“, sagte der CDU-Politiker Oliver Friederici.

„Auf keinen Fall sollte jetzt eine Planung für die Elsenbrücke begonnen werden, die bewusst in Konflikt mit den Planungen für die Autobahn steht“, warnte Henner Schmidt von der FDP. Der 17. Bauabschnitt von Treptow nach Friedrichshain sei „nötig und vom Bund gewünscht. Auch wenn Rot-Rot-Grün den Weiterbau der A100 nicht will, darf sie nicht beim Neubau der Elsenbrücke Fakten schaffen, die die Planungen des Bundes aushebeln würden.“ Der Senat müsse die Erneuerung der Elsenbrücke so planen, dass es im Zusammenhang mit der A100 keine weiteren Umbauarbeiten mehr geben müsste, forderte Sandra Hass vom ADAC.

Die Elsenbrücke soll Schritt für Schritt neu entstehen. Laut Zeitplan stünde der Bau der östlichen Hälfte erst in einigen Jahren an. „Spätestens dann, also 2025/2026, ist zu entscheiden, wie es auf der Ostseite weitergehen soll. Aber eben auch erst dann“, sagte Jan Thomsen.

Quelle: https://www.berliner-zeitung.de/berlin/verkehr/die-autobahn-als-einbahnstrasse-so-soll-das-chaos-an-der-elsenbruecke-entzerrt-werden-31634270