Presseschau: Der Bettlaken-Trick – neue Details zum Ausbruchversuch

Nach gescheiterter Flucht aus der JVA Moabit fordert die Opposition Aufklärung. Gitterstäbe am Zellenfenster waren offenbar falsch eingebaut.

Berlin. Nach der gescheiterten Flucht eines Gefangenen aus der Justizvollzugsanstalt (JVA) Moabit hat die Senatsverwaltung für Justiz am Mittwoch Details zu dem Ausbruchsversuch genannt. Anders als zunächst angenommen hat der 21-Jährige die Gitterstäbe an seinem Zellenfenster demnach nicht nur mit bloßen Händen aus der Verankerung im Mauerwerk gerissen. Bisherigen Erkenntnissen zufolge nutzte er vielmehr sein Bettgestell, um die Sicherung auszuhebeln.

Um Geräusche zu vermeiden, fing der Tschetschene den herabfallenden Bauschutt mit seinem Bettlaken auf. Das Bettgestell wuchtete er den Untersuchungen zufolge aus dem Fenster, beschwerte es von innen mit einem Schrank, sodass er sich bereits außerhalb seiner Zelle daran festhalten und so auf ein Dach gelangen konnte. Dort wurde er von einer der rund 180 Videokameras für die Überwachung des Außenbereichs der JVA Moabit aufgenommen. Um kurz vor zehn Uhr abends wurde Alarm ausgelöst. Wenig später nahmen Beamte den Mann fest. „Letzten Endes hat die Sicherheitstechnik funktioniert“, sagte der Sprecher der Justizverwaltung, Sebastian Brux.

Gitterstäbe nicht korrekt eingemauert

Laut Justizverwaltung waren die Gitterstäbe bei der Montage offenbar nur einzementiert, aber nicht korrekt eingemauert worden. Dadurch sei der Ausbruchsversuch ermöglicht worden. Insgesamt seien sieben Zellen betroffen. Die Insassen seien zur Sicherheit in andere Hafträume verlegt worden.

Der rechtspolitische Sprecher der CDU, Sven Rissmann, sagte, der Fluchtversuch erinnere „an die peinliche Serie von Entweichungen vor einem Jahr und wirft Fragen auf, ob Justizsenator Behrendt seine Hausaufgaben gemacht hat.“ Aufklärung forderte auch der FDP-Abgeordnete Holger Krestel. „Der Justizsenator ist jetzt lange genug im Amt, um die Anlagen in seinem Verantwortungsbereich im Griff zu haben und für bautechnische Mängel die Verantwortung zu übernehmen“, sagte Krestel. Beide Politiker warfen die Frage auf, wie es sein könne, dass ein Gefangener sein Zellenfenster ohne viel Aufwand herausdrücken könne.

Fehler bei Einbau sind bei Abnahme nicht entdeckt worden

Der Rechtsexperte der Linksfraktion, Sebastian Schlüsselburg, verwies darauf, dass die Gitterstäbe 2012 und 2013 nach einer spektakulären Flucht unter der Ägide des damaligen CDU-Justizsenators Thomas Heilmann eingebaut worden seien. „Man muss die Frage stellen, warum bei der Abnahme niemand bemerkt hat, dass es beim Einbau offenbar Fehler gab“, sagte Schlüsselburg. Der Sprecher der Justizverwaltung, Brux, sagte, die damals verantwortliche Baufirma gebe es nicht mehr.

Der 21 Jahre alte Tschetschene sitzt nun in einem besonders gesicherten Haftraum der JVA Moabit mit einem zusätzlichen Gitterfenster vor dem Fenster und dem Zellenausgang. CDU und FDP, aber auch die Koalitionsfraktionen wollen über den verhinderten Ausbruch in der nächsten Sitzung des Rechtsausschusses des Abgeordnetenhauses am 23. Januar debattieren. Justizsenator Behrendt will dabei auch über Sicherheitsvorkehrungen in den anderen Berliner Gefängnissen informieren.

Quelle: https://www.morgenpost.de/berlin/article216120097/Fluchtversuch-eines-Gefangenen-CDU-fordert-Aufklaerung.html